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Schweinegrippe in der Eifel - Schweineinfluenza
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Lange Zeit hat die Eifel Schwein gehabt, jetzt hat sie ihren ersten bestätigten Fall von Schweinegrippe.

Zurzeit suchen vermehrt Spanien-Urlauber die Arztpraxen auf. In Bad Münstereifel musste am Donnerstagnachmittag sogar eine Praxis wegen eines Verdachtsfalls geräumt werden. Häufiges Händewaschen kann hilfreich sein.

Insgesamt gibt es im Kreis Euskirchen derzeit vier bestätigte Fälle von Schweingrippe, weltweit nimmt die Zahl der Infizierten zu. „Eigentlich hatten wir gehofft, dass mit Beginn der Sommerferien die Erkrankungswelle etwas nachlässt, aber eher das Gegenteil tritt ein“, so der Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes, Dr. Bernhard Ziemer. Vor allem Spanien-Rückkehrer kämen zurzeit oft mit typischen Symptomen in die Arztpraxen: „Allein in den letzten zwei Tagen hatten wir über ein Dutzend Jugendliche, die von Abitur-Reisen an der Costa Brava oder aus anderen Gebieten in Spanien zurückgekehrt sind und Grippesymptome entwickelten.“ Sicher mehr als die Hälfte der diagnostizierten Fälle in Deutschland seien mit Urlaubsreisen nach Spanien in Zusammenhang zu bringen, so der leitende Mediziner.

Grund zur Panik gebe es allerdings nicht, „und es ist auch die Frage, ob man mit jeder Erkältung eine Diagnose zur Bestätigung des Schweinegrippenvirus erzwingen muss“. Letztlich liege dies in der Verantwortung der behandelnden Ärzte, das Gesundheitsamt mache hierbei keine Vorgaben. Bei Risikopatienten, die bereits vorerkrankt seien, sowie bei Schwangeren sei jedoch Vorsicht geboten. „Bis 48 Stunden nach Ausbruch der Symptome lässt sich die Schweinegrippe mit Tamiflu gut behandeln“, so Ziemer.

Erreger  
Influenza-A-Viren im TEM-BildHäufigster Erreger der Schweineinfluenza sind Influenza-A-Viren der Subtypen H1N1, selten H1N2 und H3N2. Sehr selten werden (humane) Influenza-C-Viren bei Schweinen isoliert. Die Influenzaviren bei Schweinen wurden früher auch als SIV (swine influenza virus) bezeichnet. 2006 wurde in Italien auch ein H3N1-Subtyp in Schweinen isoliert.[1] Bei einer epidemiologischen Untersuchung in Zentralchina 2004 bis 2006, konnte auch ein sonst nur bei Pferden vorkommender Subtyp (H3N8) in Schweinebeständen nachgewiesen werden.[2] Neben Influenzaviren, die auch eine Erkrankung beim Schwein auslösen, wurden eine Vielzahl an humanen, aviären und porzinen Virus-Subtypen aus Schweinen isoliert, die von diesen ohne Zeichen einer Influenzavirusinfektion verbreitet werden können.

Das erste porzine Influenzavirus (A/swine/Iowa/15/30 [H1N1]) wurde 1930 isoliert[3]. In Europa verschwand dieser Erreger am Ende der 1950er Jahre vollständig, bis er 1976 wahrscheinlich durch importierte Schweine aus den USA erneut in die europäischen Schweinebestände eingetragen wurde, wo er seitdem endemisch ist. Die porzinen H1N1-Subtypen zeigten in den letzten 60 Jahren eine hohe genetische und antigenetische Stabilität. Erst 1979 tauchte erstmals ein aviärer H1N1-Subtyp bei Schweinen in Europa auf, der sehr ähnlich den Subtypen bei Enten war.[4] Seither findet eine Kozirkulation porziner und aviärer Stämme nachweislich statt.

Ende der 1990er Jahre wurden in den USA auch H1N2-Reassortanten bei Schweinen isoliert, die eine Mischung aus porzinen H1N1- und human/aviären H3N2-Reassortanten darstellten. Die Empfänglichkeit von Schweinen gegenüber aviären und humanen Influenzaviren wird neben der experimentellen und natürlichen Infektion[5] auch durch die Tatsache gestützt, dass das Epithel der Luftröhre bei Schweinen beide Arten von Oberflächenrezeptoren aufweist, den aviären ?2,3- und dem humanen ?2,6-Sialinsäure-Rezeptor.[6] Die Vermehrung von aviären Influenzaviren in Schweinen selektiert daher zusätzlich Varianten, die bevorzugt auch an humane Rezeptoren binden.


Pathogenese und Krankheitsbild 
Die porzinen Influenzaviren werden durch Tröpfcheninfektion über die Schleimhäute des Atemtraktes übertragen, wo sie sich zunächst in einzelnen Zellen des Epithels vermehren. Bereits in dieser Phase kann das infizierte Tier weitere Tiere des Bestandes infizieren. Als Inkubationszeit werden 1 bis 4 Tage angegeben. Ohne Virämie breitet sich die Infektion innerhalb weniger Tage über das gesamte Respirationssystem – und damit auch die Lunge – aus. Ein schnell ansteigendes, hohes Fieber (bis 42 °C), schwere Atemwegsentzündung, gesteigerte Schleimsekretion in der Nase und Tränenfluss kennzeichnen das volle Krankheitsbild. Eine interstitielle Pneumonie und eine akute Bronchitis sind typisch.

Die Schweineinfluenza ist hochkontagiös und breitet sich rasch innerhalb eines Tierbestandes aus. Die Erkrankung zeigt damit eine hohe Morbidität, jedoch eine geringe Letalität; nach 5 bis 7 Tagen klingen die Krankheitszeichen sehr rasch wieder ab. Als Komplikationen kommen nicht selten zusätzliche Sekundärinfektionen (Superinfektionen) mit bakteriellen Erregern vor, die dann das klinische Bild bestimmen können. Häufig sind die schweinepathogenen Vertreter der Bakteriengattungen Pasteurella, Mycoplasma und Bordetella an der Sekundärinfektion beteiligt. Die porzinen Influenzaviren können noch bis zu 5 Wochen nach Ausheilung der Erkrankung vom Tier ausgeschieden werden.

Schweineinfluenza und Influenza beim Menschen 
Die klassischen porzinen Virusstämme verursachen beim Menschen selten, und dann nur milde Erkrankungen. Die Speziesbarriere von humanen, aviären und porzinen Virusstämmen kann durch eine Virusreplikation im Schwein jedoch durch die genetische Durchmischung der Genomsegmente durchbrochen werden. Die Bedeutung des Schweines bei der Entstehung neuer, pathogener humaner Stämme wird oft als „mixing vessel“ [7] (Mischgefäß) charakterisiert. Bei diesem Übertritt zwischen den Spezies tauchen porzine Reassortanten beim Menschen und humane und aviäre Reassortanten im Schwein auf. Letztere sind jedoch keine Erreger der klassischen Schweineinfluenza.

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Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 18. Juli 2009 um 14:54 Uhr
 

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